120 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht

28.07.25, 12:13
Nina Louis

Die Welt ist, so scheint es, aus den Fugen geraten. 

Von den 193 souveränen Staaten, die es auf der Welt gibt, sind laut UNHCR mehr als 60 an Kriegen oder an bewaffneten Konflikten beteiligt. Also fast ein Drittel aller Staaten der Welt.

Entsprechend hoch ist die Zahl der flüchtenden Menschen. In den vergangenen 12 Jahren hat sich ihre Zahl verdreifacht. Heute sind mehr als 120 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. So viele wie seit dem Ende des zweiten Weltkriegs nicht mehr. Und ein Blick, beispielsweise in den Nahen Osten, zeigt uns, dass es wenig Anlass für Hoffnung auf Frieden gibt.

In Europa kommt nur etwa 1 % der Flüchtenden an. 

Und die Zahlen sinken, weil der Weg hierher immer gefährlicher wird. Auf der Flucht nach Europa befindet man sich in permanenter Lebensgefahr. Ein Grund, warum sich die Männer zunächst allein auf den Weg machen, um dann, nach erfolgreicher Flucht, ihre Frauen und Kinder nachzuholen. 

In Deutschland ist die Zahl der Asylanträge das zweite Jahr in Folge gesunken. 

Und trotzdem werden die Gesetze für Flüchtlinge immer restriktiver. Es soll sich herumsprechen, dass sich der Weg nach Deutschland nicht mehr lohnt. Dass Flüchtlinge hier nicht mehr willkommen sind.

Was die aktuelle Gesetzesverschärfung mit den Menschen macht, erleben wir in der Beratung. Ein Thema, das uns besonders berührt, ist die Aussetzung der Familienzusammenführung für einen großen Teil der hier lebenden Flüchtlinge. 

Alles (auf)gegeben für die Familie - um jetzt alles wieder zu verlieren

Menschen, die in ihrer Heimat alles aufgegeben und ihr Leben riskiert haben, um ihren Kindern ein sicheres Leben in Frieden zu ermöglichen, die hier Deutsch gelernt und eine Arbeit aufgenommen haben, erfahren jetzt, dass sie ihre Familien für Jahre nicht zu sich holen können.

Erst in der letzten Woche hatte ich ein Gespräch mit einem jungen Mann aus Syrien, der hier als Küchenhilfe arbeitet und sich parallel auf eine Prüfung bei der Apothekerkammer vorbereitet. Die Aussicht darauf, dass er seine Frau und seine kleinen Töchter für weitere Jahre nicht nach Deutschland holen kann, hat ihn dazu bewegt, nach Syrien zurückzukehren. Die Lebensbedingungen in Syrien seien heute so schlecht, dass er seine Familie dort nicht weiter allein lassen kann. Wie es dort für ihn weitergehen soll, weiß er nicht. Arbeit gibt es kaum und für einen Neustart als selbstständiger Apotheker fehlt ihm das Geld.

Für seine Familie hat dieser junge Mann all die Gefahren und Anstrengungen der letzten Jahre auf sich genommen. Und aus Sorge um seine Familie muss er jetzt wieder alles aufgeben, im Tausch für eine ungewisse Zukunft.

Für die katholische Kirche ist sowohl die Flüchtlingshilfe als auch der Schutz der Familie von zentraler Bedeutung. Sie setzt sich für das Fortbestehen der Familienzusammenführung ein und erinnert daran, dass das Grundgesetzt Familien unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung stellt. Und dass dieses Schutzversprechen für alle Familien in unserem Land gelten muss. 

Autorin:  
Annette Leufen
Fachdienst für Integration und Migration
Caritasverband Düsseldorf e.V.

Als Caritasverband Düsseldorf stehen wir Menschen mit Zuwanderungsgeschichte mit Rat und Tat zur Seite. Informationen zu unserem Fachdienst für Integration und Migration finden Sie hier. Darüber hinaus finden Sie hier die Kontaktdaten unserer Allgemeinen Flüchtlingshilfe.