Als ihr Mann starb, wurde es still in der Wohnung. Zu still.
Die Tage zogen sich, Anträge stapelten sich auf dem Küchentisch, Briefe blieben ungeöffnet liegen. „Ich hatte mich total zurückgezogen und habe von niemandem Hilfe bekommen“, erzählt Hanna S. (Name von der Redaktion geändert). „Ich wollte raus aus der Einsamkeit.“
Was sie schließlich aus ihrer Wohnung führte, waren Schaufenster. Helle Fenster mitten in Eller, hinter denen Menschen saßen, lachten, Kaffee tranken. PROpELLER stand darüber. „Mir sind die Schaufenster aufgefallen und ich habe nachgefragt, was alles so angeboten wird. Ich fand die Menschen dort nett und dachte: Da geh ich jetzt hin.“ Damals war es ein leiser, mutiger erster Schritt. Heute kommt sie regelmäßig.
Ein Ort, der Türen öffnet – ohne Anmeldung, ohne Schwelle
Der PROpELLER ist ein Begegnungsort für Jung und Alt in Düsseldorf-Eller, getragen von der ehemaligen Pfarreiengemeinschaft Eller-Lierenfeld – jetzt St. Nikolaus Düsseldorf – und dem Caritasverband Düsseldorf e.V. Was hier geschieht, ist schwer in Zahlen zu fassen. Es sind Begegnungen. Gespräche. Hände, die gereicht werden. Türen, die offenstehen.
Der Zugang ist denkbar einfach: Wer sich angesprochen fühlt, kommt herein – ohne Anmeldung, ohne Termin und ohne bürokratische Hürden. Gerade für ältere Menschen oder Eltern mit kleinen Kindern ist die Nähe zur eigenen Wohnung entscheidend. Und für Schulkinder ist es ein Stück gewonnene Selbstständigkeit, wenn sie allein zur Kids-Kreativwerkstatt gehen können.
Hanna S. fand im PROpELLER nicht nur Gesellschaft, sondern auch konkrete Hilfe. Im sogenannten Lotsenpunkt, einer Sprechstunde für die ganz alltäglichen Sorgen des Lebens, bekam sie Unterstützung bei Rentenfragen, Problemen mit dem Vermieter und dem überwältigenden Papierkram nach dem Tod ihres Mannes. Doch es ging um mehr als Formulare. „Die Lotsen haben schnell gemerkt, dass es nicht nur die Anträge waren, die mir zu schaffen machten.“ Obwohl sie mit Kirche wenig Berührung hatte, ließ sie sich auf Gespräche mit Pfarrer Kronenberg ein. „Das hat mir so gutgetan“, sagt sie und lächelt. Ihr Mann fehlt ihr noch immer. Aber die Verzweiflung, die sie einst lähmte, ist einer neuen Stabilität gewichen. „Im PROpELLER habe ich einen Anker gefunden“, sagt sie. „Ich bin so dankbar, dass es Euch gibt.“
Wo aus Unsicherheit Selbstvertrauen wächst
Ein paar Straßen weiter lebt eine junge, alleinerziehende Mutter, Sonja P. (Name von der Redaktion geändert) Auch sie suchte Anschluss – und fand ihn im Elterncafé des PROpELLER. Dort kommen Eltern beim gemeinsamen Frühstück in heimeliger Atmosphäre ins Gespräch. Sorgen werden geteilt, Erfahrungen weitergegeben, manchmal auch einfach nur Alltagssituationen belacht. Ehrenamtliche mit Lebenserfahrung – viele selbst Großeltern oder Eltern – hören zu, bestärken, geben Rat. „Hier findet man einen Raum, in dem man sich einfach zu Hause fühlt“, sagt Sonja P. „Nicht nur, weil es hier total nett eingerichtet ist, sondern, weil die Menschen hier so freundlich sind.“ Anfangs sei sie unsicher gewesen, habe oft gezweifelt, ob sie „alles richtig macht“. Im Austausch mit anderen Müttern gewann sie Schritt für Schritt Selbstvertrauen. „Ich habe hier viel Unterstützung bekommen und mich verstanden gefühlt. Für mich ist das eine große Entlastung.“
Heute gibt sie ihre Erfahrungen an neue Mütter weiter. Aus der Suchenden ist eine Stärkende geworden. Und auch ihr Kind profitiert: „Mein Kind hat hier Kontakt zu anderen Kindern, was vorher nicht so war.“ Nach dem Frühstück gehen viele gemeinsam zum Spielplatz oder spazieren durch das Viertel. Es entstehen Freundschaften über den PROpELLER hinaus.
Ein „zweites Wohnzimmer“ für das ganze Veedel
Der PROpELLER ist eine Anlaufstelle, die generationenübergreifend Menschen aus dem Veedel und darüber hinaus anspricht. Die Angebotspalette ist so vielfältig wie die Menschen selbst: vom Elterncafé für (Groß-)Eltern mit kleinen Kindern über die Kids-Kreativwerkstatt für Schulkinder bis zum Spielenachmittag für Seniorinnen und Senioren. Es gibt eine Kreativwerkstatt, die vor allem von Frauen besucht wird, und das Männerkochen. Es gibt qualifizierte Beratungsangebote – und das zwanglose Begegnungscafé für alle bei Kaffee und Kuchen.
„Als ehrenamtliche Mitarbeiterin schätze ich besonders das angebotsübergreifende Miteinander“, sagt eine Helga König, die schon seit den Anfängen dabei ist. „Wenn beispielsweise ein:e Besucher:in des Begegnungscafés in eine persönliche Notlage gerät, können wir ganz unkompliziert, auf kurzem Weg kompetente Hilfe vermitteln.“
Diese kurzen Wege sind es, die den Unterschied machen. Hilfe muss nicht erst gesucht werden – sie ist da. Sichtbar. Ansprechbar. Menschlich. Die Atmosphäre beschreibt Helga König als familiär: „Das betrifft sowohl den Umgang der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen untereinander als auch das Miteinander innerhalb der einzelnen Angebote.“
Gewachsen in schwieriger Zeit
Gegründet wurde der PROpELLER mitten in der Corona-Pandemie, in einer Zeit, in der Begegnung plötzlich zur Herausforderung wurde. Wo Distanz vorgeschrieben war, entstand Nähe. Wo Isolation drohte, wurde Gemeinschaft geschaffen. Seitdem ist der PROpELLER kaum mehr wegzudenken. Was den PROpELLER so besonders macht, ist nicht nur das vielfältige Programm. Es ist das Gefühl, willkommen zu sein – unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebenssituation. Hier sitzt die Witwe neben der jungen Mutter. Hier basteln Kinder und Senioren spielen Karten. Hier entstehen Gespräche zwischen Generationen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären.
Informationen zum Programm des PROpELLER sind erhältlich unter: Caritasverband Düsseldorf e.V. | propeller