Von der Langzeitarbeitlosigkeit zurück in den Job: Eine Geschichte über Wiedereingliederungsangebote, Chancen, Vertrauen und eine starke Frau, die nicht aufgegeben hat
Neun Jahre ohne Arbeit und wieder zurück in den Job? Julia, liebevoll „Jule“ genannt, hat es geschafft. Seit Mai verstärkt sie das Empfangsteam in der Geschäftsstelle an der Hubertusstraße und ist längst unverzichtbar geworden. „Ich fühle mich pudelwohl hier“, sagt sie strahlend. Ihre Geschichte steht sinnbildlich für die vielen Erfolgserlebnisse, die trotz Vorurteilen gegenüber langzeitarbeitslosen Menschen möglich sind – wenn Vertrauen, Chancen und Unterstützung zusammenkommen.
Ausbildung unterbrochen, Perspektive verloren
Jules Karriereweg beginnt mit einer Ausbildung zur Bürokauffrau, bis sie im dritten Lehrjahr der Ausbildung schwanger wird. Aufgrund von Komplikationen in der Schwangerschaft muss sie die Ausbildung vorübergehend abbrechen. Ein Jahr später holt sie diese nach und besteht. Da ihr Arbeitgeber ihr keine Teilzeitstelle anbieten kann, wird sie 2011 arbeitslos. Was danach folgt, sind keine einfachen Jahre – kleine, mittlere und große Sorgen: immer wieder ist das Geld knapp, die Tagesstruktur weggebrochen. Ein Teufelskreis: Ohne Berufserfahrung keine Chance auf Arbeit und ohne Arbeit keine Berufserfahrung.
Der Wendepunkt
Sie erlebt das, was die meisten Arbeitslosen durchmachen – bis sie dann 2020 als im Rahmen der Beruflichen Integration als 16 i Kraft in unserem Sozialkaufhaus als Reinigungskraft anfängt. 16i ist das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales Teilhabechancengesetz, welches die Förderung von langzeitarbeitslosen Menschen regelt. Jule zweifelt zunächst, ob Putzen das Richtige ist. Schließlich will sie zurück in den Bürojob. „Mit Hartz 4 oder mittlerweile Bürgergeld überlebt man zwar, aber man erlebt nicht viel. Ich wollte etwas ändern und das habe ich geschafft. Für meine Kinder und um mir selbst zu beweisen, dass ich das kann“, erzählt sie.
Eigener Mut und Vertrauen anderer
Gegen Ende der Wiedereingliederung erhält sie Unterstützung durch den Caritas iPunkt Arbeit, ein Angebot für berufliche Beratung und Integration. Mithilfe der dort zuständigen Beraterin erstellt sie Bewerbungsunterlagen – mit dem festen Wunsch, im Verband zu bleiben. Der Wunsch geht in Erfüllung: Heute arbeitet sie an der Rezeption und sagt voller Stolz: „Ich habe es geschafft – vom Wischmop ins Büro. Das macht mich glücklich und hat mir gezeigt, was alles in mir steckt.“
Ihr Appell: Für mehr Chancen
Jule lebt wieder bewusster, kann sich mehr leisten und genießt ihren Feierabend. Ihre Botschaft an andere: Hilfe annehmen, ehrlich bleiben, und niemals aufgeben. Den Arbeitgebern legt sie ans Herz, Menschen auch ohne lückenlose Lebensläufe oder umfassende Berufserfahrung eine echte Chance zu geben.
Wie unsere Vorstandsvorsitzende Anna Gockel-Gerber diese Woche in einem LinkedIn Beitrag berichtete, zählen bei uns im Caritasverband Düsseldorf e.V. nicht nur Abschlüsse, Titel und lückenlose Lebensläufe. Wir suchen nicht das „perfekte Profil“, sondern Menschen, die zu uns passen. Menschen mit Haltung, Herz und der Bereitschaft, sich gemeinsam weiterentwickeln. Ob Lücke im Lebenslauf, Quereinstieg oder fehlender Abschluss: bei uns sind das keine Ausschlusskriterien.
Chance nutzen: https://www.karriere.caritas-duesseldorf.de/stellenangebote/
Unterstützung finden: https://www.caritas-duesseldorf.de/hilfe-angebote/beratungsangebote/berufliche-integration/i-punkt-arbeit-oberbilk/